Dr. Edgar Günther – Schellheimer

Makarenko heute ?

Ein Vortrag, der  am 13. Oktober 2006 vor dem. Seniorenseminar an der Technischen Fachhochschule Wildau, Landkreis Dahme-Spreewald,  gehalten wurde.

Am Seminar nahmen ca. 50 Hörer teil, die den Vortrag interessiert aufnahmen und dazu konstruktiv u.a. zu folgenden Fragen diskutierten:

Wie kann die Schule von heute mit dem Blick auf das, was Makarenko gebracht hat, verändert werden?

Arbeiten und Lernen, wie geht das in der Gesamtschule und Ganztagsschule?

Welche Strafen gab es bei Makarenko?

Welche Aktivitäten zu Makarenko gibt es im heutigen Russland?

Müssten nicht Eltern heute konsequenter mit Forderungen erziehen?

Das Vortragsmanuskript wird hier geringfügig geändert und ergänzt  zur weiteren Diskussion vorgestellt.

Meine „Koordinaten“: OT Motzen  In den Hecken 7

15749 MittenwaldeTel.: 033769/50783

E-Mail: e-e-g-schellheimer@web.de  /  schellheimer@yandex.ru

Vortragstext

Wenn wir die Frage beantworten wollen, ob Makarenko uns auch heute noch etwas zu sagen hat, sollten wir uns vergegenwärtigen: wer war er, was wollte er, was hat er in der Erziehungsgeschichte zu Wege gebracht, für welche Ideen und Entwicklungen in der Erziehung steht er?

Wie Pestalozzi sich um Waisenkinder in den Jahren nach der französischen Revolution sorgte, so hat  sich Makarenko um die in den Wirren nach der Oktoberrevolution elternlos gewordenen Kinder gekümmert.

Er leitete in den 1920er und 1930er Jahren in der Ukraine Erziehungsheime, in denen er obdachlosen und verwahrlosten Kindern und Jugendlichen einen Weg ins Leben wies.

Wie Pestalozzi, der durch seine Erziehungsromane bekannt wurde, ist  es auch Makarenko gelungen, seine Erfahrungen in belletristischer Form einem breiten Publikum nahe zu bringen. Inzwischen ist dieses Buch weltweit in etwa 50 Sprachen verbreitet.

Der schwere Anfang

Man schrieb das Jahr 1920, noch ebbte gerade der Bürgerkrieg ab. Banden durchzogen die Ukraine und Russland. Millionen eltern- und obdachlose Kinder und Jugendliche zog es in diesem Sog auf die Straßen, in die Wälder, sie fuhren auf den Plattformen, Puffern und Dächern der Züge durchs Land, stehlend, ja sogar mordend mit einer „Moral der Banditen“.In diesem materiellen und moralischen Chaos sollte nun ein neues Leben aufgebaut werden, sollten die jungen Leute – und auch die Besprisornie, die Obdachlosen und Verwahrlosten – zu gemeinschaftlich – also kollektiv -  denkenden und handelnden Hausherren, zu Produzenten und Besitzern der Güter und Fabriken werden, wie es damals die Programme der Revolution verkündeten. Makarenko hatte zu dieser Zeit bereits eine fast 16 jährige Tätigkeit als Lehrer und Schulleiter hinter sich, verfügte über eine Ausbildung als Grundschullehrer. 1917 hatte er das Lehrerinstitut in Poltawa mit der Goldmedaille, also mit ausgezeichneten Ergebnissen beendet.Ende September des Jahres 1920 wird der 32jährige zum Leiter des Gouvernements - Volksbildungsamtes vorgeladen. Er hat sich darüber beschwert, dass seine Arbeitsschule im Volkswirtschaftsamt untergebracht worden war.  Unterricht soll dort ab 15.00 Uhr in verqualmten und dreckigen Räumen gehalten werden.Makarenko beginnt seinen Roman, das „Pädagogische Poem“, mit einem Dialog, in dem der Amtsleiter auf die Intelligenzler schimpft, die sich in ein fertiges Nest setzen wollen und ohne revolutionären Elan sind. Und nun will sich auch keiner mit den Verwahrlosten abgeben und die Volksbildung hat die Verantwortung für ihre Umerziehung übertragen bekommen. Diese Intelligenzler – so nannte er die Lehrer – hätten einfach Angst, dass man ihnen die Kehle durchschneiden könnte.Auf den Trümmern einer alten Umerziehungsstätte sollte also eine neue aufgebaut werden.

Jedoch, wie erzogen werden soll, das konnte der Leiter des Volksbildungsamtes nicht sagen, und auch Makarenko formulierte in diesem Dialog nur die Forderung, dass man den „neuen Menschen auf neue Weise“ erziehen müsse.

Am Ende des Gesprächs ist er bereit, eine Kolonie für die Umerziehung jugendlicher Rechtsverletzer in der Nähe von Poltawa aufzubauen; denn in diesem Augenblick gab es für ihn nichts Schrecklicheres, als in die verräucherten Räume seiner Schule im  Wirtschaftsamt zurückzukehren. 

Die Situation zu Beginn seiner Tätigkeit beim Aufbau der Kolonie wird im zweiten Kapitel des „Pädagogischen Poems“ unter der Überschrift: „Der unrühmliche Anfang der Gorki-Kolonie“ mit folgenden Sätzen beschrieben:

„Der abgelegene Wald, der unsere Kolonie umgab, die leeren Kästen unserer Häuser, zehn Pritschen statt Betten, eine Axt und eine Schaufel, die uns als Werkzeug dienten, und fünf Zöglinge[1], die nicht nur unsere Pädagogik, sondern auch die gesamte menschliche Kultur kategorisch ablehnten – all das hatte, offen gestanden, mit unserer bisherigen Schulpraxis nicht das geringste zu tun.“[2]

Folgen wir noch weiter dem Text seines „Pädagogischen Poems“.

„Ganz entschieden weigerten sie sich, Brennholz für die Öfen zu schlagen, und in Gegenwart von Kalina Ivanovič[3]brachen sie das Holzdach des Schuppens ab. Sie taten es mit freundlichen Scherzen und mit Lachen: `So lange wir hier sind, reicht es!`“

Nachdem Makarenko dem offensichtlich - wie er bemerkte -  sehr intelligenten immer freundlich lächelnden Zögling Zadorov den Auftrag erteilt hatte, für die Küche Brennholz zu schlagen, bekam er die schnoddrige Antwort:

„Mach´s doch selber, ihr seid genug Leute hier!“

Das war das erste Mal, dass sie den Kolonieleiter duzten. Voller Zorn und aus Verzweiflung über die bisherigen Misserfolge rastet Makarenko aus und schlägt Zadorow ins Gesicht, einmal, zweimal und ein drittes Mal. Erschrocken und schockiert über den Wutausbruch ihres sonst so selbstbeherrschten Leiters entschuldigt sich Zadorow, der hünenhafte Wortführer des Grüppchens.

Makarenko wiederholt seine Forderung energisch – er schlägt mit einem eisernen Feuerhaken auf eine Bettkante und  verlangt:

 „Entweder ihr geht alle sofort in den Wald, zur Arbeit, oder ihr verschwindet aus der Kolonie und schert euch zum Teufel.“

Schweigend sind sie ihm dann in den Schuppen gefolgt und haben Äxte und Sägen geholt und sind mit in den Wald gefahren......

Makarenko spürte die riskante Situation...und war auf alles gefasst....

Nach diesem Vorfall fühlt er sich ziemlich miserabel. Zum Wirtschaftsleiter, der verwundert sah, wie fügsam die Zöglinge in den Wald gingen, sagte er:

 „Eine schlimme Sache, mein Lieber....Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich einen Menschen geschlagen.“

Erstaunlicherweise ging im Wald alles gut. Zadorov erheiterte die ganze Gesellschaft mit seinem Lachen:

 „Das war prima!“ und er lachte laut auf,  „Es war angenehm“, so schreibt Makarenko, „sein lachendes, rotbackiges Gesicht zu sehen, und ich konnte nur mit einem Lächeln antworten: `Was war prima? Die Arbeit?`“ und Zadorov antwortete: „Die Arbeit natürlich auch. Nein, das, wie sie mich vertrimmt haben!“

Das  Verhältnis zu den Zöglingen entspannte sich während der gemeinsamen Arbeit und die nachfolgenden Anordnungen Makarenkos am folgenden Tag wurden erfüllt:

„Im Schlafraum muss es sauber sein! Ihr müsst Diensthabende für den Schlafraum haben. In die Stadt dürft ihr nur mit meiner Erlaubnis. Wer ohne Genehmigung geht, braucht gar nicht erst wiederzukommen, ich nehme ihn nicht mehr auf.“

Weiter berichtet Makarenko:

„Hinsichtlich der Disziplin war der Vorfall mit Zadorov ein Wendepunkt. Um ehrlich zu sein, ich hatte keine Gewissensbisse. Ja, ich hatte einen Zögling geschlagen. Ich  empfand schmerzhaft die ganze pädagogische Ungeheuerlichkeit, die ganze juristische Ungesetzlichkeit des Vorfalls, aber zugleich sah ich, dass die Sauberkeit meiner Pädagogenhände zweitrangig war im Vergleich mit der vor mir stehenden Aufgabe.“Seine Kollegen sind auch entrüstet und fragen ihn, ob es nun dabei bleibe, beim „in die Fresse schlagen“.....und das Schlimmste, die  Burschen redeten darüber, wie von einer Heldentat, mit Begeisterung,  und sie seien nahe dran, sich sogar in den Leiter zu verlieben, allen voran Zadorov...ob sie vielleicht an ein Sklavendasein gewöhnt seien? Makarenko erwidert:„Nein, mit Sklavendasein hat das nichts zu tun. Hier geht es um etwas anderes..... Bei dieser ganzen Geschichte sehen sie nicht die Schläge, sie sehen nur den Zorn, den Wutausbruch eines Menschen. Sie wissen allzu gut, dass ich Zadorov, ohne ihn zu schlagen, als nicht besserungsfähig an die Kommission hätte zurückschicken können[4], ich hätte ihm viele schwerwiegende Unannehmlichkeiten bereiten können. Aber das tue ich nicht, ich habe mich zu einer für mich gefährlichen, aber einer menschlichen und keiner formalen Handlung entschlossen. Und die Kolonie brauchen sie anscheinend doch. Das Ganze ist komplizierter. Außerdem sehen die Jungens, dass wir viel für sie arbeiten. Es sind doch Menschen. Das ist ein sehr wichtiger Umstand.“[5]

Und hier klingt die Grundhaltung Makarenkos an, mit der er zur erfolgreichen Entwicklung seiner Koloniegemeinschaft gelangte, eine Grundhaltung, die er bei Maxim Gorki gefunden hatte:

„Seine Bejahung des Wertes des Menschen, seine Liebe und sein Hass, sein stetes Vorwärtsschreiten und sein Kampf vereinigen sich im menschlichen Optimismus des Künstlers. Er vermochte es, in jedem Menschen – trotz furchtbarer Lebenskatastrophen, trotz des Schmutzes der vom Kapitalismus zertretenen Welt – die herrlichen Züge des Menschen, die geistigen Kräfte zu sehen, die ein besseres Los, eine bessere Gesellschaftsordnung verdienen. Daraus ergaben sich für mich – und natürlich nicht nur für mich – die vielversprechenden pädagogischen Gesichtspunkte.“„Das Gute im Menschen“ so schreibt Makarenko  in seinem Aufsatz „Maxim Gorki in meinem Leben“, „muss stets projektiert werden, und der Pädagoge ist verpflichtet, das zu tun. Er muss mit einer optimistischen Hypothese an den Menschen herangehen, selbst wenn er dabei ein gewisses Risiko auf sich nimmt und Fehler begeht. Eben diese Fähigkeit, im Menschen das Bessere, Stärkere, Interessantere zu projektieren, muss man von Gorki lernen.“[6]

Makarenko formulierte unter der Eintragung 992 in seinen Tagebuchnotizen das folgende Gesetz:

„Es gibt keinen gestrigen Tag, es gibt keine Vergangenheit“

– womit er die Vergangenheit seiner Zöglinge als Rechtsverletzer im Blick hatte.

„Es gibt nur eine Zukunft. Eine optimistische Perspektive“.[7]

Die Entwicklund des Erziehungssystems

Bereits nach zwei Jahren Entwicklung des Kollektivs der Gorki-Kolonie – inzwischen hatte er 30 Zöglinge - konnte Makarenko in einem Bericht an seine vorgesetzte Behörde feststellen:

„Die allgemeine Entwicklung des Erziehungssystems ist nach dem bisherigen Plan verlaufen: vom autoritativ-fordernden Ton zur Arbeiterselbstverwaltung. Im Laufe  des Jahres 1923 sind viele Bereiche der Wirtschaft und der Administration in die Hände der Zöglinge übergegangen. Im August hielt es der Pädagogische Rat für angebracht, auch die Gesamtleitung der Wirtschaft einem Zögling zu übertragen. Mitte des Sommers trat dann der Rat der Kommandeure als oberstes Wirtschaftsorgan in Funktion.“[8]

Dazu erläutern die Herausgeber in Anmerkungen:

„Der Rat der Kommandeure trat jeden Sonnabend zusammen, um die Arbeit für die folgende Woche einzuteilen und die Einsatzabteilungen zusammenzustellen.“[9]

Begeistert für Makarenko bewältigten wir den Neuanfang in der DDR

Und natürlich hat uns damals, vor einen halben Jahrhundert, als wir in der gerade gegründeten DDR auf den Ruinen des Alten das Neue aufbauten, dieses Buch begeistert, mit seinem Optimismus einer fröhlichen, schaffenden Gemeinschaft. Eine ganze Generation von neuen Lehrern, Erziehern, Müttern und Vätern ist mit Makarenkos Schriften aufgewachsen. Viele Mütter und Väter kannten damals seine „Vorträge über Kindererziehung“, mit 600 000 Exemplaren war das die meist verbreitetste pädagogische Schrift in der DDR. Viele lasen im „Buch für Eltern“, das Anton Makarenko gemeinsam mit seiner Frau Galina geschrieben hat. Dieses Buch stand sogar in jeder kleinen Dorfbibliothek[10], auch bei uns in Motzen, und wurde wiederholt ausgeliehen, wie es auf dem eingeklebten Leihschein vermerkt ist.

Uns junge Leute überzeugte an Makarenkos Ansichten und Erfahrungen damals vor allem sein pädagogischer Optimismus, die Position, dass günstige Entwicklungsbedingungen  Voraussetzungen dafür sind , dass ein jeder seine Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln, sein Talent entfalten kann, dass es für jeden einen Weg ins Leben gibt.

Und so haben wir es doch auch selbst erlebt mit der  antifaschistisch – demokratischen  Schulreform, nun vor 60 Jahren: Oberschule für Arbeiter- und Bauernkinder, Studium....Ich durfte sogar im Ausland, in  Moskau studieren.

Makarenko zeigte uns ein neues, ein kameradschaftliches Verhältnis zwischen Erzieher und Zögling, die Gemeinsamkeit von Jüngeren mit Älteren bei nützlicher Arbeit. Wir sprachen im Jugendkommunique der DDR zur Förderung der Jugend von den drei „V“: „Der Jugend Verständnis, Vertrauen, Verantwortung“. Diese drei Herangehensweisen haben sich in  gemeinschaftlicher Arbeit zum Nutzen der Gesellschaft bewährt.

Sich für andere einsetzen, Hilfsbereitschaft, soziales Denken und Handeln, nach diesen Maximen lebten wir in unseren Kollektiven, bei den vielen freiwilligen Arbeitseinsätzen. So lebten es die vielen Jugendbrigaden.

Die Art und Weise, wie Makarenko seine Erziehungseinrichtungen organisierte,  überzeugt, damals wie heute, durch das Erziehungsergebnis, dadurch, wie sich die Zöglinge im Leben bewährten.

Lassen wir einmal Zahlen sprechen:1924 zählte die Gorki-Kolonie, die Makarenko seit Ende 1920 leitete, 98 Kolonisten, 89 männliche und 9 weibliche.Die Vergehen, die zur Einweisung in die Einrichtung führten waren: Diebstahl 51, Totschlag 2; Banditentum, konterrevolutionäre Betätigung 6; Landstreicherei 39.[11]

Zum 90. Geburtstag, habe ich miterlebt,  wie sich – wie  zu jedem Geburtstage Anton Semjonowitsch Makarenkos,  ihres „Vaters“ - ehemalige Zöglinge der Gorki-Kolonie und der Dzierzynski - Kommune trafen.

Von 133 , die an dem Treffen im Jahre  1978 teilnahmen, waren 10 Wissenschaftler, 15 Ingenieure und Techniker, 18 Meister und 30 Facharbeiter, 25 Lehrer und Erzieher, 4 Ärzte, 13 Betriebsleiter, 10 Berufsoffiziere, 6 Literaturschaffende und 2 Künstler.

Bei Makarenko fand jeder seinen Weg ins Leben. Aufmerksam beobachtete er die Entwicklung seiner Kinder, er kannte ihre Stärken und Schwächen. Für den Einzelnen hatte er ein individuelles Programm und führte ihn behutsam zu seiner Berufung. Zugleich verfolgte er sein allgemeines Programm, die Ausbildung von verantwortungsbewussten und aktiven Bürgern. Nicht den Untertan sondern den Citoyen, einen bewussten, vorwärtsdrängenden Bürger seines Landes hatte er als Zielvorstellung. Jeder sollte sich auszeichnen durch Sachlichkeit,  Gemeinschaftssinn und Arbeitsliebe, Hilfsbereitschaft für Schwächere.

Aufmerksam in der Öffentlichkeit, gesellschaftlich aktiv, unvoreingenommen und selbstlos sollte er handeln,  mit Ideenreichtum und einem Reaktionsvermögen,  bekannt unter dem Begriff Vigilanz, der Fähigkeit, mit wachen Augen umsichtig und die jeweilige Situation erfassend  zu reagieren. Überliefert sind Gesprächsnotizen, wie er mit seinen  Zöglingen über ein richtiges Verhalten in der Öffentlichkeit sprach, z.B. auch darüber, wie man sich zu Betrunkenen verhält.

Als ein wichtiges Ziel verfolgte Makarenko, dass möglichst ein jeder Leitungsfähigkeiten erwerben sollte,  in der Lage sein sollte,  Anordnungen zu geben, die Tätigkeit eines  Kollektivs zu organisieren, aber auch als ein ausführendes Mitglied und Gleicher unter Gleichen mitwirken zu können. Den neuen Menschen auf neue Weise erziehen, war die gestellte Aufgabe und, wie das zu machen ist, die Wege und Mittel, die fand Makarenko mit seinen Zöglingen in einem großem, langjährigen  Experiment. Seine Theorie war aus einer erfolgreichen Praxis abgeleitet.

Makarenko - weltweit

In vielen Ländern in Ost und West haben sich Wissenschaftler und Praktiker mit den Erfahrungen Makarenkos beschäftigt. In Schulen und Kinderheimen sowie in Freizeitkollektiven folgte man auch außerhalb der Sowjetunion und nicht nur in den sozialistischen Ländern seinen Ideen. Vorbehalte, die manchmal geäußert wurden, dass sein System nur zur Umerziehung Gestrauchelter tauge, sind tausendfach durch die Erziehungspraxis in Schulen und Kinderheimen und in  außerschulischen Kinder- und Jugendkollektiven entkräftet worden.

Eine Voraussetzung dafür war natürlich, dass in der Ausbildung und der Weiterbildung von Lehrern und Erziehern Erkenntnisse und Erfahrungen Makarenkos vermittelt wurden. Dafür stehen viele seiner Anhänger an Universitäten und Hochschulen. Das sind auch Makarenkoforscher, die seine Erfahrungen vermitteln, aus  Nürnberg, Tübingen, Erlangen und natürlich vor allem aus Marburg;

aber die habe ich erst nach dem Fall der Mauer kennen lernen können.  Im Jahre 1991 gründeten Makarenkoforscher aus Ost und West auf Initiative einer internationalen Konferenz die drei Jahre vorher in der Nähe von Marburg stattgefunden hatte, in der Heimat Makarenkos, in Poltawa,  eine Internationale Makarenko-Gesellschaft.

Mit Götz Hillig, dem Leiter des Marburger Makarenko-Referats hatte ich im November 1990 dort, in der Ukraine, im Vorbereitungskomitee mit Kollegen aus der Sowjetunion, Polen, Tschechien und China an der Ausarbeitung der Satzung mitgewirkt, die dann ein Jahr später von der Gründungsversammlung angenommen wurde.  

Beteiligt waren damals, im Jahre 1991,  Makarenkoforscher aus 10 Ländern: China, Deutschland, Frankreich, Kasachstan Polen, Russland, Tschechien, Ukraine,  aus den USA und aus Weißrussland.

Die Gesellschaft hat seitdem auf vielfältige Weise dazu beigetragen, dass Leben und Werk Makarenkos weiter erforscht wurden und dazu eine Vielzahl neuer Publikationen erschienen sind.[12]

Der schwere aber freie Weg  nach der Wende im Jahre 1990

Und gerade in dieser Zeit wurde Makarenko und alles was nur den Anschein von Sozialismus hatte, in den neuen Bundesländern der BRD aus der Volksbildung entfernt. Die bekannte Makarenko-Schule in Mosel bei Zwickau verlor nicht nur ihren Namen, wie alle Schulen in der ehemaligen DDR, die den Namen des sowjetischen Pädagogen trugen. Die in Forschung und Lehre tätigen Makarenkoforscher der DDR wurden „abgewickelt“ und führten danach ihre Tätigkeit als freischaffende Unruheständler weiter.Nun waren auch Westkontakte nicht  mehr verboten.

Wir drei aus dem Redaktionskollegium der neuen Makarenko-Ausgabe „Pädagogischer Schriften“, Werner Kienitz, Werner Lindner und ich konnten im Herbst 1990 nach Marburg fahren.Ich habe an internationalen Konferenzen in Ost und West teilgenommen– wie es meine bescheidenen Mittel erlaubten. Im Jahre 2001 finanzierte Götz Hillig meinen 14tägigen Studienaufenthalt in Moskau als „Gastwissenschaftler der Universität Marburg“. Es begann eine fruchtbare und freundschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Marburger Kollegen, die schon lange zu Leben und Werk Makarenkos forschten und seine hervorragenden Leistungen, seinen Anteil an der Entwicklung einer effektiven Erziehungstheorie gewürdigt hatten.

Makarenko - ein stalinistischer Pädagoge ?

Und doch wird Makarenko -  im Osten noch stärker als im Westen – immer wieder als prosowjetisch und prokommunistisch, ja stalinistisch verdammt. Die alte antikommunistische Welle aus der Zeit des „Kalten Krieges“  gegen Makarenko hat sich nach dem Zerfall des „realen Sozialismus“ erneuert und verstärkt. Dafür stehen eine Reihe von Publikationen  in der ehemaligen Sowjetunion,  aber auch im Westen, die Makarenko als den „Erzieher von unbarmherzigen Tschekisten“ und seine Erziehungsmethoden als stalinistisch abkanzeln. Manch einer der früheren Verehrer Makarenkos ist in das Lager seiner Feinde übergelaufen.Im bildungspolitischen Machtkampf wird alles, was sich in den ehemaligen sozialistischen Ländern entwickelt hatte, in Grund und Boden gestampft und damit verliert auch all das in Makarenkos Werken, was nach Sozialismus klingt, an Wert und wird verteufelt. Als Beispiel möchte ich die Dissertation von Kurt Kobelt nennen. Zum Thema „ Anton Makarenko – ein stalinistischer Pädagoge“ versuchte der Autor in seiner als Buch erschienenen Dissertation „die Eignung der Werke des Pädagogen Anton Makarenko als Quelle zur Beurteilung des stalinschen Gesellschaftssystems zu prüfen.“ Grundsätzlich wird dabei nicht zwischen Sozialismus und Stalinismus unterschieden. Die Arbeit gipfelt in der Feststellung, dass Makarenko mit seinem Erziehungssystem in der Gorki-Kolonie erst ein Vorläufer und dann sogar ein „Mitgestalter des politischen und gesellschaftlichen Systems des Stalinismus“ gewesen sei. Die gesamte Erziehungspraxis Makarenkos wird als ein dirigistischer Gehorsamsdrill gedeutet. Dazu werden alle Passagen aus dem „Pädagogischen Poem“ zitiert, die Makarenko als einen Diktator kennzeichnen könnten, vor allem die Situationen aus dem Anfangsstadium der Gorki-Kolonie, als er bemerkte, er sei fest entschlossen gewesen „Diktator zu sein“. Unbeachtet bleibt bei Kobelt aber der Zusatz Makarenkos  „wenn ich keine andere Methode finden sollte“. Und  „andere“ Methoden werden von Kobelt als unwesentlich nut am Rande erwähnt. Das gesamte Kolonieleben wird anhand von einzelnen Passagen des „Pädagogischen Poems“  als Erziehung „zu Disziplin, Ordnung und Gehorsam“ interpretiert. Selbst die Theateraufführungen seien ein Beispiel grenzenloser Reglementierung und Disziplinierung des Kolonistenlebens, und Makarenko habe dabei als dirigistischer Souffleur gewirkt.[13]  

 Auf der antikommunistischen Welle wurde Anton Makarenko bei uns im Osten aus dem öffentlichen Leben verbannt,  wie „das Kind mit dem Bade ausgeschüttet“. Kein im öffentlichem Dienst stehender Pädagoge wagt noch, sich auf ihn in seiner Tätigkeit irgendwie zu beziehen.Seine Bücher sind in Deutschland nur noch im Antiquariat – nun aber allerdings über das Internet - zu kaufen. Im geeinten Deutschland gibt es keine Neuerscheinungen seiner Schriften, abgesehen von der kleinen Schriftenreihe der Universität Marburg, die in geringer Auflage herausgegeben wird.

Neuausgaben seiner Werke ?

Nützlich und impulsgebend für Erziehung heute könnte eine Neuausgabe des „Pädagogischen Poems“, des Erziehungsromans „Der Weg ins Leben“ sein, kommentiert für den heutigen Leser. Aber selbst der ehemalige DDR-Verlag „Neues Leben“, der sich in die „neue Zeit“  hinübergerettet hat, lehnte die Herausgabe des Buches von Makarenko ab, weil es, wie es in einem Antwortbrief auf den Vorschlag lautet, keine Leser finden würde, und der Verlag müsse heute mit allem, was sozialistisch aussieht,  zurückhaltend sein.

Ein Mitglied der Internationalen Makarenko – Gesellschaft, S. Tenenbojm,  der Leiter der St. Petersburger Sektion, hat über das Internet einen Vorschlag unterbreitet, die Werke Makarenkos auf CD-ROM zu verbreiten.[14]Doch hierfür fehlen die Mittel.

Und auch im neuen Russland ist die staatliche Unterstützung für Makarenko äußerst gering, sie bleibt auf regionale Initiativen beschränkt; die gibt es immerhin und recht breit entwickelt in diesem großen Lande, das noch über viele Anhänger Makarenkos verfügt, die sich nun ideologisch unreglementiert, allerdings „vom Rubel oder auch Dollar regiert“ entfalten können.

 Aber, so lange wie über Makarenko gesprochen, geforscht wurde und wird, gab und gibt es ein „Für und Wider“.

Er war und ist nicht unumstritten. Die Geister scheiden sich an der Frage, welches Menschenbild der Erziehung zu Grunde liegt.Soll sich, entsprechend den Vorstellungen über ein Staatswesen und den konkreten gesellschaftlichen Bedingtheiten mehr ein Mensch mit Gemeinschaftssinn, ein Kollektivist oder mehr der Streber, Egoist und Individualist entwickeln? Wie wird das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft gedeutet? Und da herrscht hier bei uns im Osten Deutschlands wieder die Tendenz zum Individualismus, seitdem wir nach dem Wahlsiege der „unheiligen“ „Allianz für Deutschland“[15]im März 1990 und nach dem Anschluss der DDR an die BRD überall das reformbedürftige westdeutsche Bildungssystem übergestülpt bekamen.

Nun wird nicht mehr die Hilfe für Schwache und uneigennützliches Tun gefördert. Das passt nicht in eine Ellenbogengesellschaft. Nun gilt: absolute Freiheit,  freie Bahn dem Tüchtigen, und wer im Wege steht, wird beiseite gestoßen und bleibt zurück in der „Unterschicht“ der Gesellschaft. Unlängst veröffentlichte unsere Regionalzeitung, die „Märkische Allgemeine Zeitung“, eine Leserglosse zur Pädagogik. Der Schreiber meint, dass die meisten der verbreiteten pädagogischen Richtungen in den Grundtenor münden: „Erziehung zur absoluten Freiheit des Individuums. Na, wie erfreulich, schon im Kindergarten soll jedes Kind seine Persönlichkeit in weitem Freiraum entwickeln können. Wenn Tassen und Teller durch die Gegend fliegen – alles dient der Gestaltung von Phantasie und Schöpfertum. In der Schule muss dann jeder Lehrer verpflichtet werden, im Unterricht  den Wünschen jedes Schülers zu entsprechen. Natürlich ist für den Jugendlichen die Mitgliedschaft in einer Jugendbewegung oder in einem Sportclub unzumutbar. Engen doch gezielte Beschäftigungen und Gruppennormen die persönliche Freiheit in unzulässigem Maße ein.“[16]Von solchen Standpunkten ausgehend - mehr oder weniger so extrem wie hier glossiert -  stößt das Kollektiv Makarenkos und seine Kollektiverziehung auf breite Ablehnung. Eine zugespitzte Hauptthese ist:

 Das Kollektiv  führe zur Entindividualisierung und zur Vermassung.

Diese „Kritiker“ Makarenkos sehen oft nichts weiter als die Unterordnung des Einzelnen unter das Kollektiv.

Die Meinung wird dadurch gestützt, dass die Sowjetunion längst entzaubert wurde und wir wissen, dass sie unter Stalin immer mehr zu einem Untertanenstaat geworden war, in dem der Einzelne als „Schräubchen“ agierte. Folgen einer rüden „Kollektivierung“ im Erziehungswesen, werden dann fälschlicherweise mit  Makarenkos Erziehungskonzept erklärt, in dem das Kollektiv eine Institution zur Unterdrückung des Einzelnen gewesen sei. Und  damit wird Makarenko als Stalinist abgestempelt, der mit harten Forderungen den Einzelnen im Kollektiv unterdrückt.

Vom „Pädagogischen Poem“ ist eben nur der Vorfall in der Anfangsperiode, der „unrühmliche Anfang“ im Gedächtnis geblieben: Die „Makarenko-Ohrfeige“. In einer sehr nachhaltigen Verbreitung dieser Meinungen liegt der Hauptgrund für die heutige Ablehnung Makarenkos, die leider besonders in der ehemaligen DDR zu spüren ist.

Eine neue, objektive und differenzierte Sicht auf Makarenko ist nötig

Wissenschaftler – natürlich bei weitem nicht alle -  in den alten Bundesländern haben längst eine differenzierte und objektive Sicht auf den Anteil Makarenkos an der modernen Erziehungswissenschaft und sind weit weg von Missdeutungen, die besonders im „Kalten Krieg“ entstanden waren. Makarenko war ein schöpferischer Pädagoge, der besonders die Selbstentwicklung des Einzelnen und des Kollektivs in den Mittelpunkt rückte, was ihn eher in die Nähe des „Wachsen Lassens“, als der Betonung des „Führens“ rückt. Viele seiner Erfahrungen und der darauf beruhenden Thesen zur Kollektivstruktur im Leben in Kolonie und Kommune beruhen auf Selbstschöpfungen der Kinder und Jugendlichen im Prozess der unterschiedlichsten Tätigkeiten.Makarenko schuf Entfaltungsbedingungen für seine Zöglinge durch die Organisation ihrer Lebenstätigkeit vor allem in der produktiven Arbeit, aber auch beim Lernen und in der Freizeit.

Ich möchte noch auf einen Umstand hinweisen, der ein Bild Makarenkos als „Diktator in der Erziehung“ gefördert hat.

Einseitige Darstellungen des Erziehungssystems Makarenkos durch die sowjetische pädagogische Wissenschaft, insbesondere die Überbetonung der Rolle von Forderungen im Erziehungsprozess, der wir zum Beispiel an der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR mit Untersuchungen zur Hausordnung an Schulen in der DDR in Kooperation mit unserer „Partner“ - Akademie in Moskau folgten, hatten ihrerseits dazu beigetragen, Kollektiverziehung tendenziell abwertend zu deuten. Makarenko war in vielen öffentlichen Diskussionen in der UdSSR und auch in der DDR vor allem als Disziplinierungspädagoge charakterisiert worden, der mit kategorischen Forderungen erzieht. Damit war begünstigt worden, ihn in die  Nähe des stalinistischen Erziehungssystems zu rücken. Schließlich war er nach seinem Tode in der UdSSR, mehr oder weniger zurechtgestutzt, zu dem „führenden Sowjetpädagogen aufgestiegen“. Und als solcher war er erst einmal mit dem Untergang des Sowjetsystem selbst davon bedroht, ebenfalls von der Bildfläche zu verschwinden.

Dass dies nicht geschehen ist, verdanken wir den Initiativen, die vor allem von Marburg und von der Internationalen Makarenko-Gesellschaft ausgingen. Sie waren darauf gerichtet, Leben und Werk Makarenkos authentisch, unverfälscht darzustellen und zu propagieren und nachzuweisen, wie er Wesentliches für die Erziehungstheorie und Praxis geleistet hat, „obgleich er Pädagoge im Sozialismus war“.

Unlängst schrieb mir Emiliano Mettini,  ein junger italienischer Wissenschaftler und Mitglied der Internationalen Makarenko - Gesellschaft, dass die Makarenkorezeption auch in Italien ihre Geschichte, ähnlich wie in der BRD, hat. Nun ist er dabei, in Rom eine Gesellschaft der Makarenkofreunde zu gründen.

Durch Forschungen der 1968 gegründeten Makarenko-Forschungsstelle der Universität Marburg  wurde aufgedeckt, dass demokratische Grundpositionen Makarenkos mit der Art und Weise der Veröffentlichung seiner Werke in der Sowjetunion in den Hintergrund gedrängt worden sind. Seine Thesen zum Kollektiv sind verkürzt publiziert und interpretiert worden.

Wie war das denn tatsächlich in den Kollektiven der Gorki-Kolonie? Die Leiter nannten sich „Kommandeure“, und mit einer oberflächlichen und nicht wohlwollenden  Betrachtungswiese verurteilte man schon in den Anfängen der Gorki-Kolonie die „Kommandeurspädagogik“. Der Kolonieleiter wurde in der Presse sogar als „Häuptling“ und „Ataman“ beschimpft. Die Bezeichnungen „Kommandeur“ und „Abteilung“ waren  dem Zeitgeist des Bürgerkriegs entlehnt, das Militärische wurde gespielt und Makarenko spielte mit,  so z.B., indem auch er auf Anweisungen und Ausführungen immer mit  „jestj“ antwortete, was so viel bedeutete wie  „jawohl“, „in Ordnung“ oder „zu Befehl“. Die Gorki-Kolonie und die Dzierzynski -Kommune hatten ihre Fahnen und ausgewählte Fahnenbegleiter sowie ein Blasorchester, hinter dem die Kommunarden in Festtagskleidung zu Feiertagen durch Charkow marschierten. All das war kind- und jugendgemäß und gefiel den jungen Leuten von damals. Es „schmückte“ ihr Kollektiv.  Kommunarden standen als Wachposten an den Heimeingängen mit Gewehren – natürlich ungeladen - und forderten z.B. jeden zum Schuhe Abtreten auf; ob es ein Zögling war oder ein Professor, der zu Besuch kam, die Ordnungsforderungen galten für jeden, ohne Ansehen der Person. Es galt, vor dem „Gesetz“ sind alle gleich!So wurde durch die in der Kolonie gegebene Ordnung  jeder Zögling in seiner Entwicklung und Entfaltung auch vor der Willkür einzelner geschützt, die geneigt waren, sich Kraft ihrer körperlichen Überlegenheit durchzusetzen –  Regeln, die übrigens, nachdem sich ein Kollektiv mit seinen Selbstverwaltungsorganen ausgebildet hatte,  von der Vollversammlung selbst als eigene „Verfassung“ aufgestellt  und beschlossen wurden.

Hier klingt der  Gedanke Rousseaus nach der Französischen Revolution an :

„Zwischen dem Schwachen und Starken unterdrückt die Freiheit, das Gesetz befreit.“

Das wichtigste Element und „Korrektiv“, das Makarenko in der Struktur des Kollektivs der Gorki-Kolonie fand, waren die zeitweiligen Einsatzgruppen. Sie wurden zur Bewältigung bestimmter, z.B. saisonbedingter Aufgaben gebildet. Die Kommandeure der Abteilungen, so nannten sich die  Grundkollektive als die ständigen Arbeits- oder Wohnkollektive,  waren dann in diesen Einsatzgruppen in der Position von Mitgliedern, welche die gestellten Aufgaben wie jeder andere zu erfüllen hatten. So sollte  ein jeder lernen anzuordnen, zu leiten, aber auch sich unterzuordnen. Besonders durch diesen ständigen Wechsel der Positionen des Einzelnen, aber auch durch die strenge Kontrolle der Leiter als Bevollmächtigte ihrer Kollektive, war der Ausbildung einer abgehobenen Funktionärskaste ein Riegel vorgeschoben. Ich erinnere mich noch an eine Aussprache, die ich in den achtziger Jahren hier in ihrer Nachbarschaft an der Miersdorfer Schule zu Makarenko hatte, dass dort jemand äußerte, damit passe er doch gar nicht so recht in unser  autoritäres System in der DDR, womit „ins Schwarze getroffen“ wurde.

All das betont, dass Makarenko mit seiner Pädagogik eigentlich mit  einem stalinistisch geprägten System nichts am Hute hatte.

Leider wurden auch solche Passagen in den Werken Makarenkos, in denen er sich kritisch zur sowjetischen  Wirklichkeit und zum Erziehungssystem geäußert hat, aus den Texten ersatzlos gestrichen, um eine Konformität Makarenkos mit der Wirklichkeit in der UdSSR vorzutäuschen.  Noch in den letzten DDR-Jahren war ich als einer der Herausgeber an der Textwiederherstellung zur neuen Makarenkoausgabe beteiligt, der letzten, die in der UdSSR erschienen war.

Ich möchte auf Textstellen hinweisen, wo es in früheren Ausgaben Entstellungen durch Wortwahl oder durch Kürzungen gegeben hatte.

So fehlten bei der Definition des Kollektivs folgende Passagen.

Der erste Punkt fehlte ganz:

„1. Das Kollektiv schließt ein, dass die Gleichheit der Menschen in der menschlichen Gesellschaft anerkannt wird, deshalb darf es auch in seinen Handlungen keinesfalls einem anderen Kollektiv entgegengesetzt werden."

Weiterhin fehlte der 3. Punkt:

 „Das Recht, Anordnungen zu treffen und auf jemanden einzuwirken, wird nur anerkannt, wenn hierfür vom Kollektiv oder von einer Vereinigung von Kollektiven die Vollmacht erteilt worden ist.“

Weitere Passagen wurden verkürzt wiedergegeben. So fehlte der Gedanke, dass das Kollektiv Menschen in einer Tätigkeit vereinigt, „die der ganzen Menschheit“ offensichtlich nützlich ist und nicht einzelnen ihrer Gruppen, und dass sich dies direkt aus der ersten These ergibt.[17]

Ich fand auch eine bildungspolitisch bedingte Fehlübersetzung pädagogischer Begrifflichkeiten:

In der neuen achtbändigen Ausgabe der „Pädagogischen  Werke“ Makarenkos heißt es noch fälschlich in DDR-deutscher Übersetzung,  die neue Makarenkopädagogik sei eine Pädagogik der parallelen pädagogischen  E i n w i r k u n g. Da konnte ich mich damals gegen meine Kollegen Herausgeber nicht durchsetzen. Denn im Russischen  steht  nicht der Begriff Einwirkung „vozdejstvie“ , hier heißt es bei Makarenko „dejstvie“, was soviel bedeutet wie „Handlung“ oder „Vorgang“. Unter dem Einfluss der in der DDR herrschenden „Einwirkungspädagogik“ mit der „führenden Rolle“ des Lehrers, der seinerseits von der Zentrale aus straff geführt war, war es zu diesem Begriffswandel gekommen.

Und in Pädagogik-Lehrbüchern wurde dieses von Makarenko aufgestellte Wirkungsgesetz – das er vereinfacht auch mit den Worten charakterisierte: „Alles erzieht!“ -  vereinfacht als indirekte Einflussnahme des Lehrers auf die Schüler interpretiert.

Das geschah übrigens in Anlehnung an sowjetische Lehrbücher, die eben auch nicht den ganzen Makarenko darstellten.

Ich habe darüber in meinem Büchlein „Makarenko in meinem Leben“[18]geschrieben.

Die gesamte Logik der von Makarenko bestimmten „parallelen pädagogischen Wirkungen“ umfasst mindestens 4 wichtige Gesichtspunkte des Erziehungsprozesses:

1.  Die Position des Erziehers, seine Absicht bleibt dem Zögling verborgen. In diesem Zusammenhang spricht Makarenko vom „Widerstand des Materials“. Der Zögling – und das war in Makarenkos Einrichtungen vorwiegend der Halbwüchsige, der 12 bis 16-Jährige – hat eine starke Abneigung dagegen, sich in einer Position zu befinden, in der er merkt, dass man immer an ihm herumerzieht.

2.  Der Erzieher wirkt über das Kollektiv, durch Impulse und Anregungen, die das kollektive Leben organisieren helfen sollen. Er wirkt mit  i n  den Selbstverwaltungsorganen des Kollektivs, steht keinesfalls über ihnen, um  a u f  sie einzuwirken, wie es leider fälschlicherweise in der ersten deutschen Übersetzung hieß, da der Pädagoge eben  a u f  die Selbstverwaltungsorgane einwirkt, wie es sich gehört, um seiner führenden Rolle gerecht zu werden. 

 Makarenko  ging es darum, dass der Erwachsene in den Selbstverwaltungsorganen die gleichen Rechte und Pflichten hat wie der Heranwachsende und aufgrund seiner größeren Lebenserfahrungen als älterer Kamerad die Angelegenheiten des Kollektivs voranbringt. Ja er ließ sich sogar manchmal überstimmen und überließ es dem Kollektiv, eigene Erfahrungen zu sammeln und selbst  zu Schlussfolgerungen über den falsch gewählten Weg zu kommen.  3.  Pädagogische Vorgänge und Wirkungen entstehen im Prozess einer gemeinsamen Tätigkeit von Zöglingen und Erziehern. Erzieher waren bei Makarenko keine Aufsichtspersonen, sondern Fachleute, der Agronom, der Wirtschaftsleiter, die Facharbeiter, die aufgrund ihres Sachverstandes und Könnens, mit ihrem Beispiel wirkten. Er lehnte strikt eine solche  Position des Erziehers ab,  in der als Aufsichtsperson, wie er zugespitzt formulierte, nur die Kinder bei ihren Spielen und Tätigkeiten stört. Als sein Kollektiv mit einer funktionierenden Selbstverwaltung ausgeprägt war, schaffte er sogar die allgemeinen „Erzieher“ ab und stellte nur Fachleute ein.

 4.  Schließlich entstehen erzieherische Wirkungen durch Ausgestaltung der äußeren, der materiellen Lebensumstände und –bedingungen. So wurden zum Beispiel Schönheit der Körperhaltung, Akkuratesse und Sauberkeit der Kleidung dadurch herausgefordert, dass auf allen Treppenabsätzen, mannshohe Spiegel aufgestellt waren. Mit einer Sanduhr war die Redezeit in der Vollversammlung und in den Sitzungen der Selbstverwaltungsorgane begrenzt, damit sich die Zöglinge sachlich auf das Wesentliche konzentrieren; denn viele neigten aufgrund ihres chaotischen Vorlebens auf der Straße zum weitschweifigen Erzählen.

Eine wissenschaftlich abgesicherte Biogafie ist nötig!

Eine Aufgabe der Makarenkoforschung bestand darin, exakte Aussagen zu seiner Biografie zu gewinnen. Dabei ging es auch darum, welche politischen Ansichten er hatte. Das war ein weites Forschungsfeld. Die sowjetische Makarenkoforschung hatte das Bild eines „parteilosen Kommunisten“ vermittelt, der voll und ganz mit der Politik der KPdSU und besonders mit Stalin übereinstimmte. Das kann allerdings auch aus bestimmten Aussagen Makarenkos vor allem aus der Moskauer Zeit, den beiden letzten Lebensjahren, in der Zeit des „Großen Terrors“ abgeleitet werden. Offensichtlich war er damals gezwungen „mit den Wölfen zu heulen“, um seine weitere Arbeit und sein Leben zu sichern. Wolfgang Sünkel wertete solche Ausführungen Makarenkos als „Fassadenkommunismus“.  Wie schon erwähnt, hatte sich Makarenko des öfteren und manchmal sehr sarkastisch zu Mängeln in der Entwicklung der Sowjetgesellschaft geäußert. Hier sei ein Beispiel genannt.

Er stand von 1925 bis 1935 mit seinem Lehrer und Förderer Maxim Gorki in einem intensiven Briefwechsel. Die Briefe wurden auf Initiative der Marburger, nun in der Periode der Perestroika unter Teilnahme einer sowjetischen Makarenkoforscherin im Jahre 1990 in ihrer ungekürzten Fassung neu herausgegeben.

 Im russischen Original mit paralleler deutscher Übersetzung erschien dieser Briefwechsel in der Marburger Schriftenreihe „Opuscula makarenkiana“.

In einem Brief vom 10. Februar 1926 hatte sich sich Makarenko zur Kollektivierung der Landwirtschaft geäußert, was natürlich in den früheren sowjetischen Veröffentlichungen nicht zu finden war.

Da heißt es:

 „ Es handelt sich darum, dass man den generellen Misserfolg der Kollektivwirtschaften eingestehen muss. Die landwirtschaftlichen Kommunen, die Artels, die ihre Arbeit stets ganz luxuriös, mit vollständigem Inventar und stets mit einem Kredit aufgenommen haben, beginnen sehr bald zu knistern, und dann zerbersten sie, begleitet von großen und kleinen Skandalen. Zugrundegerichtet  werden sie einerseits durch die Nichtkoordinierung kollektiver und persönlicher Interessen[19]und andererseits durch das Fehlen neuer Organisationsformen der Bewirtschaftung.  Die Kollektivwirtschaft, die sich ökonomisch so leicht beschließen lässt, ist psychologisch überhaupt noch nicht erforscht. Es ist allzu leichtfertig, zu glauben, man könne 200 Personen tausend Desjatinen“( das sind etwa 1000 Hektar. E. G.-S.) „übergeben, und sofort klappt alles, und man braucht sich nur noch zu freuen. Da gibt es in unserer Kolonie ein Dutzend Intelligenzler, die sich zum Ziel gesetzt haben, eine starke Kommune von Kolonisten zu schaffen, sie sitzen daran schon das sechste Jahr und sind noch weit davon entfernt, `Hurra´ zu schreien. Und dabei geben wir uns mit jeder Kleinigkeit ab. Hätten wir aber Zeit und nicht solche Sorgen, so könnten wir ganze Bücher über die Gesetze des Kollektivs schreiben. Uns ist einfach klar, dass die Kollektivierung vor allem pädagogische Beachtung verlangt, und zwar eine sehr behutsame, angespannte und nachdrückliche pädagogische Beachtung, außerdem eine große Auswahl an Formen und Mitteln.“[20]

Ganz in diese Richtung geht eine autobiografische Bemerkung  Makarenkos in einem Gesuch zur Aufnahme in das Zentralinstitut für Organisatoren der Volksbildung.„ Meiner politischen Überzeugung nach bin ich parteilos. Ich halte den Sozialismus in den schönsten Formen des Zusammenlebens für möglich, doch glaube ich, solange die Soziologie nicht auf dem festen Fundament der wissenschaftlichen Psychologie, insbesondere der Psychologie des Kollektivs, beruht, ist eine wissenschaftliche Ausarbeitung sozialistischer Lebensformen unmöglich, und ohne wissenschaftliche Fundierung ist der vollkommene Sozialismus unmöglich.“[21]

Das schrieb er im Jahre 1922, also im Alter von 34 Jahren.Diese Passage fehlt natürlich in allen, sowjetischen Makarenko-Ausgaben – auch in der letzten -  und wurde von uns im Jahre 1987 bei der Bearbeitung des 1. Bandes der „Pädagogischen Werke“ wiederhergestellt.

Ein großer Widerspruch tut sich auf:

Heute wissen wir weit mehr über Leben und Werk Makarenkos, dank der umfassenden Forschungen in Ost und West, aber der Wirkungsgrad seiner Ideen bleibt gering, auch aufgrund einer geringen Verbreitung seiner Schriften. Die Verwahrlosung von Kindern und Jugendlichen nimmt weltweit zu, die UNESCO spricht von einer wachsenden Zahl von Straßenkindern die in die Millionen geht. Wir können das fast täglich in der Presse lesen. Die neueste Meldung: allein in Lima, der Hauptstadt von Peru, gibt es 20 000 Straßenkinder. Da wird eigentlich ein Herangehen gebraucht, wie es Makarenko vorgezeichnet hat, wenn es Regierungen ernst nehmen würden mit der Beseitigung dieses Übels durch Rettung dieser Kinder für ein sinnvolles und behütetes Leben.

Natürlich geht es nicht darum, Makarenko  zu kopieren, sondern vielmehr in seinem Geiste, mit seinen Intentionen an die Entwicklung des Menschen durch gesellschaftlich nützliche Tätigkeiten in der Gemeinschaft mit anderen, im Kollektiv heranzugehen.

 Für Makarenko war die Pädagogik die dialektischste aller Wissenschaften und er forderte immer eine exakte Bedingungsanalyse, um die konkreten Vorgehensweisen bestimmen zu können.

Wie weiter?

  Ich habe versucht deutlich zu machen, wie nützlich und anregend Makarenko für heutige Erziehung sein könnte, vor allem, wenn wir Makarenko in seiner ganzen Größe und im vollem Umfang seines Werkes sehen.Enthusiasten in aller Herren Länder versuchen immer noch sich dafür einzusetzen, dass Makarenko nicht in Vergessenheit gerät und entfalten hier und dort dazu Einzelinitiativen in der pädagogischen Wissenschaft und Praxis.

Aber, um es auf den Punkt zu bringen: In die gegenwärtige offizielle Schul- und Bildungspolitik unseres Landes passt Makarenko überhaupt nicht; abgesehen von der Duldung und teilweisen Förderung von wenigen Privatschulinitiativen sowie Initiativen im außerschulischen Bereich, wo seinen Ideen partiell gefolgt und wo versucht wird, alternative Konzepte der Gemeinschaftserziehung zu realisieren. Hier möchte ich den „Blick über den Zaun“ nennen, der von dem 1989 gegründeten Verbund reformpädagogisch engagierter Schulen ausgeht.[22]

Diese Schulen zeigen überzeugend, wie sich gesellschaftlich aktive und verantwortungsbewusst handelnde Weltbürger entwickeln können,....da die Hoffnung  nicht aufgegeben wird, dass die Welt noch zu retten ist.



[1] Der sechste von der ersten Belegung war schon nach einer Woche wegen Raubmordes verhaftet worden, den er nachts, als er aus der Kolonie weggelaufen war, begangen hatte.

[2] Anton Makarenko. Gesammelte Werke. Band 3. Marburger Ausgabe. Klett-Cotta. 1982. S. 11.

[3] Kalina Ivanovič Serdjuk, der Wirtschaftsleiter der Kolonie.

[4] Gemeint ist die Kommission für die Angelegenheiten Minderjähriger, die möglicherweise eine Einweisung in eine Strafanstalt verfügt hätte

[5] Anton Makarenko a.a.O. S. 14 – 18.

[6] A.S.Makarenko a.a.O. S.512

[7] Eine maschinenschriftliche Abschrift der Tagebuchnotizen befindet sich im Archiv des Marburger Makarenko-Referats.

[8] Anton Semjonowitsch Makarenko. Pädagogische Werke. Erster Band. Volk und Wissen  Volkseigener Verlag Berlin 1988. S. 54

[9] Anton Semjonowitsch Makarenko a.a.O. S. 512.

[10] In der DDR gab es seit Mitte der 1950er Jahre bei jeder Gemeindeverwaltung eine Dorfbibliothek, die kostenlos genutzt werden konnte; allein im Land Brandenburg waren das über 600, von denen es allerdings unter den neuen Bedingungen nach 1990 nur noch etwa eine Handvollgibt,  durch ehrenamtliches Engagement am Leben gehalten.

[11] Vgl.: Anton Semjonowitsch Makarenko a.a.O. S. 51.

[12] Vgl.: u.a. Makarenko Studien International. Hrsg. von S.E. Weitz (Marburg) und

A.A. Frolov (N. Novgorod).  Makarenko in Ost und West I. 1992 und Makarenko in Ost und West II 1993. Redaktion der deutschen Ausgabe: S.E. Weitz und L.R. Spiegel-Weitz. td publication.

[13] Vgl. Karl Kobelt: Anton Makarenko – Ein stalinistischer Pädagoge. Interpretationen auf dem Hintergrund der russisch – sowjetischen Bildungspolitik. PETER LANG  Europäischer Verlag der Wissenschaften. Frankfurt am Main. Berlin. Bern. New York. Paris. Wien. 1996

[14] Über das Internetportal : „zt1.narod.ru“ kann man eine Vielzahl von Beiträgen Tenenbojms zu Makarenkos Leben und Werk sowie zur Tätigkeit der Internationalen Makarenko-Gesellschaft und zur  gegenwärtigen Makarenkoforschung in Russland abrufen

[15] ein Wahlbündnis der CDU mit weiteren konservativen Parteien der DDR, die sich später der CDU anschlossen

[16] Märkisch Allgemeine Zeitung vom 29. September 2006

[17] Anton Semjonowitsch Makarenko a.a.O. S. 275.

[18] Vgl.: Edgar Günther - Schellheimer. Makarenko in meinem Leben. Ein Beitrag zur Makarenko-Rezeption in der DDR und im geeinten Deutschland. NORA Verlagsgemeinschaft Dyck & Westerheide. 2005.S. 25 – 27.

[19] In der Gorki-Kolonie gab es beispielsweise individuelle Gemüsegärten. Makarenko setzte auch gegen den Widerstand seiner Vorgesetzten durch, dass die Zöglinge ein Taschengeld erhielten.

[20] Makarenkos Briefwechsel mit Gor`kij. Kritische Ausgabe besorgt von Götz Hillig in Verbindung mit Svetlana Nevskaja. Marburg 1990. Opuscula makarenkiana Nr. 11. S. 22 – 23.

[21] Anton Semjonowitsch Makarenko. Pädagogische Werke a.a.O. S. 20.

Zu diesem  Vortrag hatte ich am 27. Juni 2007 mit einer Gruppe von Lehrern im Ruhestand eine Diskussion in der Gemeindebibliothek in Schulzendorf, Kreis Dahme-Spreewald.

Die Teilnehmer sehen unter den gegenwärtigen Bedingungen des Bildungssystems in Deutschland kaum Möglichkeiten, Ideen Makarenkos zu folgen.

Lediglich in alternativen Strukturen, die einer Bildung und Erziehung für alle Kinder gerecht werden, und zugleich Kopf und Hand entwickeln, eine hohe  unentgeltliche Bildung für alle Kinder gewährleisten sowie ihre manuellen Fähigkeiten durch praktische Tätigkeiten entwickeln, kann auf  Erfahrungen von Makarenko  zurückgegriffen werden.

In diesem Zusammenhang verwies ich auf die Erfahrungen der Selbsthilfegemeinschaft ehemaliger Drogensüchtiger auf Gut Fleckenbühl bei Marburg, die unsere Internet - Diskussionsgruppe ( http://groups.yahoo.com/group/makarenkocollective) am 6. und 7. Juli gemeinsam mit Studenten der Phillips-Universität Marburg  näher kennenlernen will.