Am 08.07.2007 wurde in Fleckenbühl bei Marburg eine Makarenko-Forschungsgruppe gebildet. Sie trägt den Namen "Libor-Pecha-Gruppe" (LPG) und  folgt den Intentionen und Bestrebungen des tschechischen Makarenkoforschers Libor Pecha (1926 - 2002), der  dazu beigetragen hat, dass die Ideen Makarenkos in ihrer Authentizität und Ursprünglichkeit aufgespürt und verbreitet werden.

Libor Pecha versuchte vor allem, die Lebensumstände aufzuhellen, unter denen Makarenko seine praktischen und theoretischen Arbeiten vollzog. Pechas Hauptwerk ist eine biografische Abhandlung unter dem Titel " Kruta Poema" (Ein schreckliches Poem) - "Makarenko hak ho nezname" (Makarenko, wie ihn keiner kannte) Brno-Brünn 1999.

In diesem Sinne will die Gruppe das Werden und die Entwicklung der praktischen und theoretischen Tätigkeit Makarenkos im Kontext mit sozialgeschichtlichen Gegebenheiten und persönlichen Beziehungen aufhellen.

Gleichzeitig will die Gruppe als "Wegbereiter Makarenkos für heute und morgen" zur Verbreitung der Pädagogik Makarenkos beitragen und aufzeigen,wie mit Hilfe der Ideen und Erfahrungen Makarenkos, insbesondere seiner Erziehungsmethodik, aktuelle Probleme und Aufgaben der Erziehung und Resozialisierung gelöst werden können. 

Die Gründer der Libor-Pecha-Gruppe sind:

Götz Hillig, Marburg

Edgar Günther-Schellheimer, Mittenwalde/Mark, OT Motzen

Jiri Hazkovec, Prag

Volker Hoffmann, Berlin

Frohwald Naumann, Mülsen, OT Ortmannsdorf,

Henk Nijman, Amsterdam

Als eine erstes gemeinsames Vorhaben gehen wir, ausgehend von unserem Aufenthalt auf Gut Fleckenbühl, der Frage nach:

Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen dieser Kommune und den Einrichtungen Makarenkos ? 

Zu gleicher Zeit hielt sich dort eine Gruppe von Studenten aus dem von Götz Hillig geleiteten Makarenko-Seminar auf, die sich auch mit dieser Frage beschäftigte.

Die Gründer und Leiter von Fleckenbühl - Roland und Helga Meyer sowie Ingrid Kaftan - legten dar, dass sie erst nach der Gründung von SYNANON in Berlin und Fleckenbühl bei Marburg von Makarenko gehört hätten. Der Psychologe Thomas Ehleiter hatte sie auf den Erziehungsroman  Makarenkos "Der Weg ins Leben" aufmerksam gemacht. Sie fanden bei Makarenko viele Parallelen zur Gestaltung ihres Lebens in der Gemeinschaft auf Gut Fleckenbühl. Sie fühlten sich bestätigt in ihrem Streben, den Bewohnern dort durch Stärkung ihres Selbstbewußtseins, vor allen durch Arbeit in der Gemeinschaft  sowie durch gegenseitige Achtung und Forderung, durch Übertragung von Verantwortung für die Gemeinschaft, einen Weg ins Leben zu öffnen.

 Wenn auch die konkreten Lebensformen und Methoden der gegenseitigen Erziehung zeitgebunden spezifisch sind und sich demnach und vor allem im Klientel (bei Makarenko gestrauchelte Kinder und Jugendliche, bei Synanaon und in Felckenbühl drogen- und  alkoholabhängige Erwachsene) unterscheiden, ist die Wesenart der Kommunen vergleichbar. Das machte auch für die Gründer von SYNANON und Fleckenbühl Makarenkos Ideen anregend.

Bezeichnend dafür ist folgende Episode aus der Zeit der Vereinigung von Ost- und Westdeutschland im Jahre 1990.

Einer der Gründer und der Leiter von SYNANON-INTERNATIONAL in Berlin, Ingo Warnke, beantwortete die Frage, die ihm Kollegen aus der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR im Jahre 1990 stellten, von welchen Prinzipien  sich  SYNANON leiten lasse, mit der Aufforderung: "Lest Euren Makarenko!"